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Was ist Perfektion? Design und Funktion: Das (für mich persönlich) perfekte Motorrad hat eine leicht nach vorne geneigte, geduckte Linie, einen schlanken Höcker der die Form von Rahmen und Tank aufnimmt und vollendet. Edle Werkstoffe, eine Konzentration der notwendigen Teile möglichst nah am Schwerpunkt der wiederum weit unten liegen sollte. Ähnlich einer Raubkatze im Sprung, muskulöse Flanken, kräftig, wendig, elegant und doch gleichzeitig aggressiv soll sie wirken.
Reduktion auf das Wesentliche. 170kg, ein niedriger Schwerpunkt und eine geeignete Fahrwerksgeometrie vermitteln Fahrdynamik pur!
Die meisten italienischen Designer verstehen ihr Handwerk; so auch Massimo Tamburini der mit dem Design der Ducati 916 und später mit der MV Agusta F4 Maßstäbe setzte. Eine Ducati 996SPS begleitete mich häufig in die Eifel und zu diversen Rennstreckentrainings.
Nach diversen Kiesbetteinschlägen dachte ich immer wieder daran dieses Motorrad zu einem Naked Bike umzubauen. Aus irgendeinem Grund wurde ein solches Projekt nie verwirklicht. Vielleicht deshalb, weil eine Ducati eine Ducati bleiben sollte.
Dann, auf der Motorradmesse im März 2003 in Dortmund sah ich diesen handwerklich perfekt gefertigten, WIG-geschweißten, hochglanzpolierten Aluminiumrahmen. 40 mm Aluminiumrohre, mit teilweise ovalem Querschnitt und gefräster Schwingenaufnahme.
Das angeschraubte Heck eröffnete mir alle Möglichkeiten zur Variation. Ein Kunstwerk, eigentlich zu Schade zum Fahren. Fürs Wohnzimmer, auf einer blauen Samtdecken mit Deckenflutern ins rechte Licht gebracht, wäre er auch geeignet. Vor meinem geistigen Auge formten sich neue Aussenhautteile mit dem Rahmen zu einem Gesamtkunstwerk. Das wars dann. Eine Woche später hing das Ding an meiner Garagendecke.
Zum Rahmenkit gehörten Einarmschwinge, Öhlins-Federbein, Aluminiumtank, angeschraubtes Rahmenheck. Neben meinem Beruf als Bereichsleiter in einem Hüttenwerk habe ich nur begrenzte Zeit ein solches Projekt zu verwirklichen. Ich wollte spätestens im Juni 2004 die Erstabnahme beim TÜV durchhaben. Hatte also ein Jahr Zeit für den Aufbau. An weiteren verwendungsfähigen Teilen hatte ich lediglich eine Öhlinsgabel, Öhlins Lenkungsdämpfer und eine gefräste Radialbremspumpe von PVM. Ein Motor musste her. Ich fand ihn im Internet; 4000km, Baujahr 2002 mit Kabelbaum. Soweit, so gut. Nachdem ich den Motor probehalber im Rahmen eingebaut hatte stellte ich fest, dass der Original Luftfilterkasten der Bandit nicht in den Rahmen passte. Also musste eine passende Airbox gebaut werden. Der Motor wurde wieder ausgebaut, komplett abgeschliffen und neu lackiert. In der Zwischenzeit fertigte mir Rainer Maaßen von der Fa. BKG eine Gabelbrücke mit Lenkungsdämpferanschluß, Parallel dazu begann ich mit dem Bau der ersten Sitzbank. Ein modifizierter GSXR1000 Höcker diente als Modell. Im Winter 2003/04 wurde der Kabelbaum neu aufgebaut. Als Maschinenbauingenieur hatte ich im Studium zwar einiges über die Theorie der Elektrotechnik erfahren; praktische Erfahrungen hatte ich jedoch bisher nicht sammeln können. Trotzdem fand ich mich erstaunlich schnell zurecht in diesem mir fremden Metier. Vor dem ersten Dreh des Zündschlüssels war ich schon etwas aufgeregt. Doch erstaunlicherweise funktionierte Alles von Anfang an ohne Fehler. Bei der Erstabnahme war mit Rainer Weidlich von PSS-Rau behilflich. Vielleicht habe ich ein falches Bild vom üblichen TÜV-Beamten; aber als Privatperson mit einem selbstgebauten Motorrad beim TÜV vorzufahren und um eine Erstabnahme zu bitten, erschien mir doch etwas zu gewagt! Sicherlich gibt es auch beim TÜV eine ganze Reihe guter Ingenieure mit technischem Sachverstand die nicht für jedes Teil gleich eine Wagenladung Prüfzeugnisse benötigen. Weil mir Diese jedoch nicht bekannt sind und ich diesbezüglich auch keinerlei Erfahrung sammeln wollte, habe ich diese Angelegenheit eben dem Profi überlassen. Vielen Dank nochmal an dich Rainer.
In dieser Form ging sie zum ersten Mal zum TÜV. Ohne Probleme; mit original bleischwerem Krümmer und Endtopf 2. Stufe Vor der ersten Anmeldung wurde die unendlich schwere Originalabgasanlage der Bandit ausgetauscht gegen eine MAB-Variante. Titankrümmer und Endtopf unters Heck. Keine außergewöhnliche Lösung aber in Punkto Gewicht, Sound und Leistung schonmal eine Steigerung gegenüber der Originalanlage.
So wurde sie im August 2004 zugelassen. Mit MAB-Underseat Titankrümmeranlage 3. Stufe Alles was bis zu diesem Zeitpunkt an dem Motorrad gebaut wurde, diente nur dem Zweck möglichst schnell eine Strassenzulassung zu bekommen. Die Abgasnorm änderte sich im Juni 2004. Ich wollte kein Risiko eingehen und möglichst schnell die Erstzulassung über die Bühne bringen. Danach hätte ich Zeit meine Vorstellungen zu verwirklichen. Der pummelige Tank, der angeschraubte Heckrahmen und der Sitzhöcker waren nicht gerade das, was ich mir unter "Schön" vorstellte. Im Kopf hatte ich sie mir schon im Sommer 2003 ausgemalt. Erste Designstudien für Tank, Sitzhöcker und RAM Air Stutzen entstanden im Sommerurlaub 2004 auf Papier. Der Modellbau begann unmittelbar danach. Aus einer 3D-Darstellung des Carbonhöckers wurde ein Modell aus Holz, Schaum und GFK-Überzug hergestellt. Anschließend wurde lackiert und abgeformt. Zum Thema: "Formenherstellung" sind Bibliotheken gefüllt worden. Aber lesen ohne praktische Anleitung ist nicht besonders effektiv. Also suchte ich nach Praktikern und fand sie. Die ersten Schritte brachte mir Stefan vom Team der Fa. Hycom bei. Diese Jungs stellen GFK-Teile aller Art her und arbeiten im Speziellen an Booten und Rumpfmodellen für Hochseetanker. Sie fanden gefallen an dem Projekt und stellten mir einen Platz in ihrer Halle zur Verfügung. Wann immer ich eine Frage hatte; sie wurde geduldig beantwortet. Der Bau der Einzelteile ist in Rubriken/Bauteile untergliedert, beschrieben und bebildert. Ich werde sie laufend ergänzen und aktualisieren.
Der Winter 2004/05 war vorbei und der neue Höcker fertig. Die neue Fußrastenanlage ebenso. Die Underseatanlage passt jetzt nicht mehr zur angedachten Linie. Der Tank wurde im Sommer 04 gebaut. Die Lampenmaske wurde im November 05 kreiert.
Dreckig ist der Garagenhinterhof. Und hier ist sie auferstanden. Nur so und nicht anders! Das ist das Bild; ich habe es gesehen, 3 Jahre vorher; vor meinem geistigen Auge........... Und es geht weiter. Das nächste Projekt ist eine Einspritzanlage für den Banditmotor. Ausserdem steht der Neubau des Tanks aus Aluminium und eine neue Airbox nebst passender RAM-AIR-Stutzen an. Ein bisschen Farbe kommt auch ins Spiel..... |